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Schülerakademie

Lernen mit Spass

Forschung erleben

Zehn Tage auf Burg fürsteneck

Rund 60 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 15 Jahren nehmen an der jährlich stattfindenden Mittelstufen- akademie teil. Die Teilnehmer finden sich für zehn Tage in den Schulferien zusammen, um nach dem ganzheitlich ausgerichteten außerschulischen Bildungskonzept auch kursübergreifende Angebote wie Sport und Bewegung neben den Haupt- und Wahlkursen aus verschiedenen Themenbereichen wahrzunehmen.

Im Rahmen eines Gästetages präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihr Ergebnisse. So können sich Eltern und Gäste ein Bild vom Akademiealltag machen.

Die Hessische Schülerakademie gibt es mit der Oberstufenakademie seit 2004. Im Jahre 2011 wurde das Angebot um eine Schülerakademie der Mittelstufe ergänzt und seitdem wird diese vom Beilstein-Institut unterstützt

Die 9. Hessische Schülerakademie für die Mittelstufe fand vom 30. Juni bis 9. Juli 2019 statt. Angeboten wurden fünf Hauptkurse aus den Bereichen Biologie, Chemie, Mathematik, Physik, und Kunst und Kultur. Zudem konnte an zehn Wahlkursen teilgenommen werden. Zur Wahl stand Bildende Kunst: Graphic Novels, Improvisationstheater, Nachhaltigkeit - politische und naturwissenschaftliche Perspektiven, Gender und Gesellschaft, Entdeckt oder "nur" erfunden - woher kommt eigentlich Mathematik?, Blogging, Kontratanz, Gerechtigkeit - wieviel Gerechtigkeit kann es geben? JPC! - die magische Papierkunst und Stummfilm und Vertonung.

 

Von Jungforschern und Kreativen

Gästenachmittag der 9. Hessischen Schülerakademie der Mittelstufe

 

Seit ihrer Gründung 2011 fand die Hessische Schülerakademie der Mittelstufe vom 30. Juni bis 09. Juli 2019 zum neunten Mal mit finanzieller Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums und des Beilstein-Instituts auf Burg Fürsteneck in Eiterfeld statt. Und zum neunten Mal präsentierten die rund 60 Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse ihrer Arbeiten am gestrigen Gästenachmittag ihren Angehörigen. Aus den angebotenen fünf Hauptkursen der Naturwissenschaften (Biologie, Chemie, Mathematik und Physik) und Kunst und Kultur hatten sich die Schülerinnen und Schüler jeweils einen Kurs ausgesucht und in die anspruchsvollen Themen vertieft.

Das Periodensystem der Elemente wurde vor 150 Jahren von Dimiti Mendelejw und Lothar Meyer als Systematik der chemischen Elemente vorgestellt. Angesichts dieses Jubiläums widmete sich der Chemiekurs der historischen und wissenschaftlichen Entstehung dieser Systematik und ermittelte den Zusammenhang zwischen Atommassen und Elementeigenschaften. Neben biografischen Präsentationen zu beteiligten Wissenschaftlern zeigten die Schülerinnen und Schülern auch die Ergebnisse ausgewählter Element- und Anwendungsbezüge, die sie erarbeitet hatten. Der Physikkurs widmete sich der Baustatik, insbesondere der von Brücken. Diese müssen immerhin erheblichen Kräften widerstehen und neben ihrem Eigengewicht auch die Nutzlast sowie Witterungseinflüsse wie Schnee und Wind tragen. Die Schülerinnen und Schüler ermittelten, wie und wo die einzelnen Kräfte auf das Bauwerk wirken und entwickelten bauliche Strategien, diese Kräfte zu zerlegen und gleichmäßig auf die Konstruktion zu verteilen. Darüber hinaus beschäftigten sie sich mit den Folgen von Verformungen von Fachwerken und dynamischen Belastungen beispielsweise in Schwingungs- und Resonanzversuchen. Der Mathematikkurs vermischte Zauberei mit der Magie von Zahlen. Die magische Frage („Wozu brauchen wir das?“) wurde spielerisch am Beispiel von Zaubertricks beantwortet und mündete in die Analyse von Permutationen und Gruppentheorien. Die Magie der Zahlen fand ihren Höhepunkt in der Vorstellung der Fibonacci-Folge modulo, einer Zahlenfolge bei der jeweils die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen die unmittelbar danach folgende Zahl ergibt, allerdings mit Primzahlen. Ihre Eltern verblüfften die Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer mit ihren neuen Kompetenzen zur mathematischen Argumentation, Problemlösung und Kommunikation. Der Biologiekurs gab sich sehr lebensnah und anwendungsorientiert bei der Betrachtung der Sinnesorgane, die zwar sehr leistungsfähig sind, aber auch ihre Grenzen haben. In Eigenexperimenten erfuhren die Schülerinnen und Schüler die enorme Leistungsfähigkeit ihrer Sinne und der Informationsübertragung und –verarbeitung im Gehirn. Allerdings sind weder Sinnesorgane noch Gehirn unfehlbar und führten die Experimentatoren über Fehlinterpretationen und Täuschungen auch immer wieder aufs Glatteis. Die Eltern konnten sich von beidem – der Leistungsfähigkeit und Grenzen ihrer Sinnesorgane – selbst ein Bild machen.

Im Kunst- und Kultur-Hauptkurs „My speaking body“ erfuhren die Teilnehmer am eigenen Leib persönliche Zustände, aber auch abstrakte Situationen z. B. in Staaten, performativ umzusetzen. Mit Installationen, Tanz, Theater, Bildern und Dialogen setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit neuen Arten von Ausdrücken auseinander.

Den Ausgleich zu den Hauptkursen bildeten die Wahlkurse. Die Schülerinnen und Schüler konnten aus dem breiten Angebot von zehn Wahlkursen zwei auszuwählen. Dabei war die Qual der Wahl groß: Neben musikalischer Improvisation, Kontratanz, Theaterimprovisation, JPC!-Papierfaltkunst und Graphic Novels wurden Blogging, Diskussionsrunden um Freiheit und Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, ein Wahlmathematikkurs sowie das Thema Gender und Gesellschaft angeboten. Sowohl in der musikalischen als auch in der Theaterimprovisation hatten sich die Mädchen und Jungen in kürzester Zeit zu klingenden, sprechenden und pantomimischen Ensembles zusammengefunden, deren Darbietungen beeindruckend waren. Die Papierfaltkunst JPC (Julian’s Paper Craft) ist ein neues Genre aus Korea, das nur mit Schere und Papier, aber ohne Kleber auskommt und die Schülerinnen und Schüler zu Papierkunstwerken mit Wow!-Effekten inspirierte. Im Graphic Novels-Kurs lernten die Schülerinnen und Schüler eine Sonderform des Comics kennen, die neue Möglichkeiten bietet, sich in ungezwungener Form künstlerisch auszudrücken und Alternativen zu den bekannten Mangas kennenzulernen. Der Blogging-Kurs erstellte einen Akademie-Blog, der mit verschiedenen stilistischen Mitteln wie Berichten und Kommentaren aus dem Akademiealltag oder auch über die hervorragende Verpflegung aus der Küche gefüllt wurde. Der Mathematik-Wahlkurs näherte sich der Welt der Zahlen philosophisch und entspannt. Im Liegen wurden offensichtliche Fragen erörtert wie, warum ist ein Viereck ein Viereck? Die Antwort liegt in einer ebenso stringenten wie klaren Definition. In den Kursen Freiheit und Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Gender und Gesellschaft stand die undogmatische Reflektion mit der eigenen und der Argumentation anderer im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler bewiesen, dass sie die Kunst der unideologischen Debatte ohne Missionarsdrang beherrschen. Mögen sie diese Gabe beibehalten.

Die Akademieleitung, Benedikt Weygandt und Ferenc Kréti betonten bei der Abschlusskundgebung den Wert der Schülerakademie, nicht als Ersatz oder Ergänzung zur Schule, sondern als einen Ort der bei den Schülerinnen und Schülern Veränderungen bewirke. Sinngemäß bemerkte Kréti „Wir kennen die Zukunft nicht, aber wir müssen darauf vorbereitet sein. Ob wir Alten das nötige Rüstzeug dafür haben, weiß ich nicht, aber es dürfte ein guter Ausgangspunkt sein, Kreativität und Wachheit zu fördern.“ Insgesamt erwiesen sich die Schülerinnen und Schüler als wissbegierige, jungforschende Kreative. Ein Kompliment an die Veranstalter und die Mädchen und Jungen!

Impressionen 2019

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Video "Hessische Schülerakademie: Lernen gegen den Strom zu schwimmen" (© FAZ.NET)

Die Hessische Schülerakademie wird gefördert von

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