StipendiEN

Stipendien bieten die Grundlage in eine wissenschaftliche Karriere einzusteigen, mit Gleichgesinnten zu netzwerken und sich neue Chancen zu erschließen. Für Bewerber gilt es, aus der Vielzahl unterschiedlicher Programme das geeignete Stipendium herauszufiltern.

Was ist ein Stipendium?

Stipendien sind freiwillige Geld- oder Sachleistungen, durch die ihre Empfänger in ihrer Aus- und Weiterbildung unterstützt werden. Im Gegensatz zu Leistungen nach BAföG sind Stipendien keine Darlehen und sind somit nicht zurückzuzahlen. Werden Stipendien von eine öffentlichen Einrichtungen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts vergeben, sind sie steuerfrei (§3 Ziff. 44 EStG). Allerding nur, wenn das Stipendium einen Betrag, der über der Deckung der Lebenshaltungskosten liegt, nicht übersteigt und der Stipendiat nicht zu einer bestimmten Gegenleistung oder Tätigkeit, die der eines Arbeitnehmers gleicht, verpflichtet ist.

In der Regel enthalten Stipendien keine soziale Absicherung wie Rentenversicherung, Krankenversicherung oder Arbeitslosenversicherung. Hier sollte der Stipendiat zumindest mit einer Krankenversicherung vorsorgen. Wird der Stipendiat jedoch vom Geldgeber zu Dienstleistungen zum Beispiel im Rahmen von Forschung und Lehre verpflichtet, sollte der Betroffene über ein Statusfeststellungsverfahren (§7 und §7a SGB IV) abklären lassen, ob nicht doch Sozialabgaben zu zahlen sind. Diese müssen dann vom Stipendiengeber nachentrichtet werden.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass allein Hochbegabung, soziales, religiöses oder politisches Engagement oder finanzielle Bedürftigkeit über die Vergabe von Stipendien entscheidet. Es gibt noch weit mehr Auswahlkriterien wie Alter, projektiertes Forschungsthema, Bundesland und Hochschule, und gebotene Eigenleistungen der aufnehmenden Institution. Aber auch eigene Leistungsbereitschaft, Talent und Kreativität sind wichtige Voraussetzungen, um sich erfolgreich für ein Stipendium zu bewerben. Der Weg zum Stipendium erscheint zunächst steinig. Allerdings zahlt sich eine gründliche Vorbereitung in den meisten Fällen aus.

Eine gründliche Recherche des Bewerbers führt zum geeigneten Stipendienangebot, wenn Bewerber und Projekt in die vom Stipendiengeber ausgeschriebene Zielgruppe passen. Darüber hinaus sollten die Bewerbungsunterlagen fristgerecht, formal einwandfrei und inhaltlich vollständig einreichen. Die Antragsbedingungen sollten Bewerber peinlich genau einhalten. Da nicht nur die Papierform über die Vergabe entscheidet, werden Bewerber häufig zum persönlichen Gespräch oder zur Präsentation des angestrebten Forschungsprojektes eingeladen. In beiden Fällen werden nicht selten fachliche Detailfragen gestellt, auf die der Bewerber unbedingt vorbereitet sein sollte. Danach heißt es, sich in Geduld zu üben und auf den Bescheid zu warten, wobei viele Stipendiengeber bitten von Nachfragen abzusehen.

Früchte einer erfolgreichen Bewerbung

Einer internen Studie zufolge bieten in Deutschland rund 35 Organisationen fächerübergreifende Stipendienprogramme an, deren Zuwendungshöhe deutlich sowohl über der des Deutschland-Stipendiums (300 Euro im Monat) als auch des BAföG-Höchstsatzes (derzeit 735 Euro im Monat) liegt.

Darunter befinden sich auch außerhochschulische Forschungseinrichtungen wie die Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Leibniz-Gemeinschaft und die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Stipendienprogramme für Promovierende in Graduate Schools aufgelegt haben.  Alle Programme weisen in Bezug auf Dotierung, Zuschüsse und Förderdauer eine enorme Bandbreite auf. Neben den Lebenshaltungskosten können auch Sachkosten für Bücher, Publikationen oder Konferenzteilnahmen  beantragt werden, die im Mittel rund 1.000 Euro pro Jahr betragen können. Die Laufzeit der Stipendien beträgt zwischen sechs Monaten und drei Jahren.

Neben der finanziellen Zuwendung bieten Stipendiengeber häufig Seminare und Workshops zur Fort- und Weiterbildung an. Der Charakter dieser Veranstaltungen ist je nach Stipendiengeber unterschiedlich. Während insbesondere bei politisch und religiös ausgerichtetem Stipendiengeber die Teilnahme obligatorisch ist, ist sie bei anderen Stipendiengeber fakultativ und lediglich als Angebot zur Weiterbildung und Netzwerken zu verstehen. Häufig münden diese Netzwerke in sehr erfolgreiche Alumni-Gemeinschaften, von denen sowohl gegenwärtige und ehemalige Stipendiaten als auch der Stipendiengeber gleichermaßen profitieren.

Das Beilstein-Stipendium

Seit 2012 hat das Beilstein-Institut 23 Promotions-Stipendien, ausgestattet mit 1.650 Euro pro Monat über eine Laufzeit von zweimal 18 Monaten, vergeben und fördert so Projekte in der Grundlagenforschung bundesweit an 20 verschiedenen Universitäten und Forschungsreinrichtungen. Neben der finanziellen Unterstützung lädt die Stiftung zu Stipendiatentreffen ein, die zum Austausch von Ideen, Informationen und Wissen, aber auch zur Kontaktpflege der Stipendiaten untereinander und mit der Stiftung genutzt werden. So gab es in der jüngsten Vergangenheit zum Beispiel Veranstaltungen mit Themen wie Publikationspraxis, Plagiarismus und Open Access. Im Juli 2014 hat das Beilstein-Institut zudem eine Exkursion zur Beschleunigeranlage des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt durchgeführt.

Im Rahmen ihrer Arbeiten beweisen die Beilstein-Stipendiaten, dass sie der Wissenschaft eine sehr kreative und künstlerische Note verleihen können: In einem Video zeigt Susanne Rommel von der Universität Stuttgart (Arbeitsgruppe Plietker) die Funktionsweise einer Brennstoffzelle in einem Modellauto. Liana Movsesyan (GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, Darmstadt) hat indes einen Beitrag zur “Science as Art” Ausstellung, die im Rahmen des Meetings der Materials Research Society (MRS) in San Francisco stattfand, geleistet und beschreibt ihre Erlebnisse in diesem Interview.