Einführung



Der multi- und interdisziplinäre Ansatz der Systembiologie kombiniert eine Mischung moderner experimenteller Techniken, die durch die Anwendung fortgeschrittener Analysemethoden zu gesteigerter Meßgenauigkeit von Enzymstrukturen und -Aktivitäten führt. Aufgrund dieser technologischen Entwicklungen wiederum werden große Mengen an Daten und große Datensätze generiert und in elektronischen Datenspeichern und Fachartikeln veröffentlicht.

Die Schwäche dieser Daten in Datenbanken und in der Literatur jedoch liegt darin, daß sie aufgrund unvollständiger und fragmentierter Beschreibungen der angewandten Methoden und Materialien miteinander nicht vergleichbar sind, was die Datenqualität zumindest zweifelhaft erscheinen läßt. Wenn darüber hinaus die experimentellen Bedingungen nicht klar und vollständig dargestellt sind, sind die funktionalen Daten der Enzymaktivitäten insbesondere für die weitere Anwendung in der Systembiologie von geringem Nutzen. Erschwerend kommt hinzu, daß viele experimentell ermittelten Ergebnisse unter unvereinbaren Bedingungen gewonnen wurden, so daß Forscher häufig dem Problem der großen Bandbreite von methoden-spezifischen Enyzmdaten gegenüberstehen.

Seit 2003 beschäftigt sich die STRENDA-Kommission (Standards for Reporting Enzyme Data) mit der Qualitätserhöhung publizierter funktionaler Enzymdaten, um die wissenschafltiche Gemeinschaft in der effizienten Anwendung von Enzymkinetikdaten bei der in-vivo-, in-vitro- und in-silico-Erforschung biologischer Systeme zu unterstützen. Die Kommission hat zwei Hauptziele: Die Entwicklung von Richtlinien für das Berichten von Daten in Veröffentlichungen. Diese Richtlinien werden bereits von einer wachsenden Anzahl Biochemie-Zeitschriften und einigen großen Verlagen ihren Autoren zur Beachtung empfohlen.

Das zweite Ziel ist die Entwicklung einer elektronischen Dateneingabe-Software, die auf der Grundlage der STRENDA-Richtlinien die vom Autor eingegebenen Kinetikdaten auf Konsistenz prüft und gleichzeitig als Portal zur Einreichung von Kinetikdaten in eine freizugängliche, öffentliche Datenbank geplant ist.

Dieses 5. ESCEC-Symposium, das vom Beilstein-Institut zusammen mit der STRENDA-Kommission organisiert wird, stellt ein Forum zur Diskussion von Standards in der Biochemie im Allgemeinen und der STRENDA-Richtlinien im speziellen. Auf der Konferenz sollen sich auch Vertreter der verschiedenen Standardisierungs-Initiativen und Systembiologie-Gruppen wie MIBBI, YSBN, EFB und SYSMO mit den Herausgebern und board-Mitgliedern der Fachzeitschriften treffen und austauschen. Zusätzlich sind Fachleute aus allen Teilen der experimentellen, theoretischen und bioinformatischen Enyzmologie und Stoffwechsel-Forschung eingeladen, um ihre neuesten Forschungsergebnisse, Ansätze und Methoden zu folgenden Themen zu präsentieren und zu diskutieren:

  • Systembiologie
  • Sequenz, Struktur und Kinetik
  • Physiologische Bedeutung der Enzymkinetik
  • Network-Modelling
  • Enzyme in der Stoffwechsel-Zusammenarbeit
  • Fallstricke bei der Datenreproduktion
  • Standard Daten-Sammlungen
  • und andere vorgeschlagene Themen