2013_img_0433-2_rz02_20140306-090710_20140306-090907.jpg

Seit 2012 engagiert sich das Beilstein-Institut mit einem die Grundlagenforschung ansprechenden Stipendienprogramm für Wissenschaft und Wissenschaftler: Es bietet jungen Forschern eine Hilfe zum Einstieg in die wissenschaftliche Karriere.  Angesprochen werden Doktoranden, die sich in ihren Promotionsvorhaben inter- disziplinären Arbeitsprojekten der biochemischen, chemischen und physikalischen Grundlagenforschung widmen. Ein wesentliches Merkmal des Beilstein Stipendiums ist neben der finanziellen Förderung die ideelle: Gezielt will die Stiftung den Austausch mit etablierten Wissenschaftlern, die Bildung von Netzwerken und die Herausbildung der wissenschaftlichen Persönlichkeit befördern.


Die Beilstein Stipendien werden für bis zu drei Jahre vergeben, eine Zwischenevaluation erfolgt nach 18 Monaten. Das Höchstalter für die Aufnahme liegt bei 25 Jahren; die Förderung beträgt 1.650 Euro im Monat.

STipendiatentreffen 2016

Im spezialitätengeschäft
Merck in Darmstadt

Am 20. Juni 2016 fuhren zehn Stipendiatinnen und Stipendiaten des Beilstein-Instituts nach Darmstadt, um dort im ältesten pharmazeutisch-chemischem Unternehmen der Welt, Merck, an einer besonderen Werksführung teilzunehmen. Durch das 1668 gegründete Unternehmen ziehen sich Tradition und beständige Innovation wie ein roter Faden, wie Gudrun Preßler-Rickert vom Besucherservice in ihrer Firmen- und Produktvorstellung zum Ausdruck brachte. Darmstadt ist der Stammsitz von Merck, an dem knapp 9.000 der weltweit 50.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Werkstour führte an imposanten Gebäuden aus mehreren Epochen und an zahlreichen Baustellen vorbei, die verdeutlichen, dass das Unternehmen sich ständig wandelt.

Zu Beginn ihrer Führung gab Frau Preßler-Rickert einen kurzen Überblick über die Historie des Familienunternehmens von der Übernahme der Engel-Apotheke 1668, über Emanuel Merck, der 1827 mit dem forschenden Industrieunternehmen begann, bis zur aktuellen Marktpositionierung. Sie betonte dabei, dass die Gründerfamilie bis heute Mehrheitseigentümerin des börsennotierten Konzerns ist und sich für einen langfristigen Unternehmenserfolg einsetzt. Auch der Unterschied zur amerikanischen Firma Merck wurde diskutiert. Für die Beilstein-Stipendiaten, die für ihre Doktorarbeiten in verschiedenen naturwissenschaftlichen Disziplinen forschen, war das breite Portfolio, das von Healthcare über Life Science bis hin zu Performance Materials reicht, von großem Interesse und regte zu interessierten Beiträgen an.

Im Anschluss referierte Sebastian Barth vom Strategischen Marketing "Performance Materials" über Organische Photovoltaik, eine zukunftsträchtige Technologie, die mit organischen Materialien eine klimaschonende Stromerzeugung aus Sonnenlicht ermöglicht. Dabei lassen sich diese Materialien wie mit einem Tintendrucker auf geeignete Untergründe drucken und eröffnen so hoch-flexible Anwendungsmöglichkeiten. Es gibt bereits erste Anwendungen, z.B. für Smartphones. Dächer und Fassaden mit Solarzellen auszurüsten und so die organische Photovoltaik zu nutzen, sei noch nicht in Reichweite. Insbesondere diejenigen Stipendiaten, die selbst auf diesem Feld arbeiten, stellten eine Vielzahl von Fragen und interessierten sich sehr für Barths Ausführungen, wobei auch der Stakeholder-Aspekt, also der Umgang mit EU-Richtlinien und die Notwendigkeit von Lobbyarbeit, eine neue Sichtweise auf die Umsetzung von Forschungsergebnissen warf.

Organische Leuchtdioden, kurz OLED – Organic Light Emitting Diode – waren Thema des nächsten Referenten, Dr. Claus-Peter Niesert, der als Abteilungsleiter der Verfahrensentwicklung für die Umsetzung der Materialien aus dem Labor in höherskalierte Produktionsprozesse verantwortlich ist. Beim anschließenden Rundgang im Labor konnten sich die Teilnehmer einen Einblick in die Forschungsarbeit bei Merck verschaffen. Niesert beschränkte seinen Vortrag nicht nur auf wissenschaftliche und technische Aspekte, sondern beantwortete auch Fragen zu Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten bei Merck. Es war für alle Beteiligten hochspannend und so kurzweilig, dass die Gruppe beinahe vor den verschlossenen Türen der Kantine gestanden hätte. Beim Mittagessen hatten die Beilstein-Stipendiaten reichlich Gelegenheit die Referenten mit weiteren Fragen zu löchern. Auch umgekehrt interessierten sich die Referenten für die jeweiligen Forschungsfortschritte der Jungwissenschaftler. Die angeregten Gespräche hätten noch bis in den späten Nachmittag geführt werden können, wenn nicht am Ende ein Besuch im Innovationszentrum des Unternehmens auf dem Plan gestanden hätte.

Das Innovationszentrum stellt die nötige Infrastruktur für Brainstorming bereit und dient als Thinktank zur Entwicklung neuer Ideen. Hong-Wa Poon erklärte der Gruppe das Konzept des Innovationszentrums und führte sie anschließend durch das Gebäude, das seit dem Frühjahr 2015 existiert und durch das neue Innovationszentrum im kommenden Jahr abgelöst werden soll. Das Zentrum gliedert sich in zwei Teile, einen offenen Bereich, der Mitarbeitern und Besuchern jederzeit zur Verfügung steht, und einen Bürobereich, in dem die Projektteams arbeiten. Ziel ist es, Innovationen zu fördern, Ideen zu generieren, Raum für Neues zu schaffen und abseits von der Routine des Alltagsgeschäfts neue Formen der Zusammenarbeit zu fördern. Auf dem Weg von der Idee zum Geschäftsmodell nimmt Merck Start-ups für einen bestimmten Zeitraum im Innovationszentrum auf und unterstützt sie dabei, ihre Geschäftsmodelle umzusetzen. Bewerben kann sich laut Herr Poon jeder, der eine innovative Idee hat.

Dr. Carsten Kettner und Christina Keil, verantwortlich für die Stipendiatenbetreuung beim Beilstein-Institut, bedankten sich bei Frau Preßler-Rickert für das spannende Programm, das sie für die Teilnehmer zusammengestellt hatte. Nach einem erlebnisreichen Tag traten die Stipendiaten mit vielen neuen Eindrücken die Heimreise an.

Abschied von Stipendiaten

Die dreijährige Förderung wurde erfolgreich beendet: Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedeten sich die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Stipendien-Jahrgangs 2012 Ende Juni 2015. Sie präsentierten in einem Abschlusskolloquium im Beilstein-Institut die Ergebnisse ihrer Promotionsprojekte. An die Zusammenfassungen ihrer Arbeit schloss sich eine kurze Diskussionsrunde an. Dabei zeigten sich die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr souverän und beantworteten mit dem erworbenen Expertenwissen detaillierte Fragen.

Das Abschlusskolloquium wurde durch zwei Vorträge aus dem Bereich Wissenschaftsgeschichte bereichert. Professor Christoph Meinel von der Universität Regensburg referierte zum Thema „Physikalische Chemie vor ‚der' Physikalischen Chemie" und Dr. Thomas Steinhauser vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin sprach über „Wissenschaft und Technik in der modernen Chemie am Beispiel der Festkörperforschung".

Neben den zwölf der insgesamt 15 Geförderten des Jahrgangs 2012 nahmen auch deren Betreuerinnen und Betreuer sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Beilstein-Instituts an der Veranstaltung teil. Das gemeinsame Mittagessen bot neben dem fachlichen Austausch auch Gelegenheit, zu erfahren, welche neuen Wege die Geförderten einschlagen werden. Mit Spannung sieht das Beilstein-Institut der Entwicklung der Geförderten entgegen und freut sich auf künftige Gelegenheiten zum gegenseitigen Austausch.

Zwischenevaluation: Hürde genommen

Am 12. Mai 2015 fand die Zwischenevaluation des Stipendien-Jahrgangs 2013 im Beilstein-Institut statt. Die Zwischenberichte ihrer Promotionsvorhaben hatten die acht Stipendiatinnen und Stipendiaten bereits Ende April vorgelegt. Im Symposium zur Zwischenevaluation stellten die Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler die Ergebnisse ihres Forschungsprojektes der ersten 18 Monate der Förderung vor. An die jeweils 15-minütigen Vorträge schloss sich eine kurze Diskussions- und Fragerunde an. In entspannter Atmosphäre tauschten sich die Stipendiaten sowohl untereinander als auch mit den anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Beilstein-Instituts aus.

Die Evaluierung fiel für alle Stipendiatinnen und Stipendiaten erfolgreich aus, so dass ihnen der wissenschaftliche Vorstand, Dr. Martin G. Hicks, noch am selben Tag die schriftliche Förderzusage für die kommenden 18 Monate überreichen konnte. Beim gemeinsamen Mittagessen wurden auch letzte Anspannungen abgeschüttelt und der Tag klang bei fachlichem Austausch über die bisherigen Erfahrungen aus.

Exkursion nach Darmstadt

Begegnung am Beschleuniger

Die Beilstein-Stipendiatinnen und Stipendiaten trafen sich am 16. Juli 2014, um im GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt einen Eindruck von den dortigen Forschungsarbeiten zu erhalten. Dr. Ingo Peter, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der GSI, stellte die Institution vor und berichtete von vergangenen und aktuellen Forschungstätigkeiten.

In internationalen Kooperationen erforscht die GSI mit ihrer großen, weltweit einmaligen Beschleunigeranlage für Ionen den Aufbau der Materie und versucht, Erkenntnis über die Entstehung des Universums zu gewinnen. Die in der Öffentlichkeit bekanntesten Ergebnisse dieser Forschung sind die Entdeckung von sechs neuen chemischen Elementen des Periodensystems. Über die Grundlagenforschung hinaus werden neue Anwendungen in Technik und Medizin entwickelt.

Auf dem Rundgang beeindruckte der Aufwand, der für diese Forschung betrieben wird. In den Hallen werden zahlreiche Messlabors mit Betonquadern vor Strahlen geschützt und sind mit umfangreicher Mess- und Steuertechnik ausgestattet. Bestaunt wurde auch das Labor, in dem eine neuartige Krebstherapie mit Ionen entwickelt und zur Anwendungsreife gebracht wurde. Seit 2009 wird diese Therapie am Universitätsklinikum Heidelberg im Routinebetrieb eingesetzt. Auch die Ausmaße, die das neue internationale Beschleunigerzentrum FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) einnehmen wird, imponierten der Gruppe sehr.

In einem nahegelegenen Restaurant in Egelsbach nutzten die Stipendiatinnen und Stipendiaten die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen, vertieften ihre Bekanntschaften und tauschten sich rege über tägliche Erfahrungen und Ideen aus; denn die beiden Beilstein-Stipendiatenjahrgänge trafen zum ersten Mal aufeinander.

Beilstein Stipendienprogramm geht in die nächste Runde

Im Sommer 2013 startete die zweite Auflage des Stipendien- programms: Auf die Ausschreibung gingen 26 Bewerbungen ein; mehr als die Hälfte von ihnen erfüllte die formalen Zulassungs- kriterien. Nach Abschluss der Prüfung ihres Forschungsvorhabens wurden im Dezember acht Promovierende in das Programm aufgenommen.

Wie die erste Generation der Beilstein Stipendiaten werden auch sie in vielfacher Hinsicht profitieren, denn Stipendien sind eine besondere Form der Wissenschaftsförderung: Mit einem relativ kleinen Impuls kann mittelfristig eine große Wirkung erreicht werden.

Stipendiatentreffen im Mai 2013

Der Erfolg der Promotionsvorhaben ist ganz bewusst nur ein Aspekt des Stipendiums: Gezielt sollen auch die nichtfachlichen, kommunikativen Fähigkeiten der Teilnehmer gestärkt werden. Im Mai 2013 etwa ging ein Stipendiatentreffen dem Thema „Die wissenschaftliche Publikation – Wie und wo publiziere ich?“ nach. Neben den ebenfalls eingeladenen Stipendiaten des von der Stiftung geförderten NanoBiC-Projekts nahmen auch die Mitarbeiter des Beilstein-Instituts teil, die durch ihre Tätigkeit im Editorial Office der Beilstein Open-Access-Journale Experten auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Publikation sind.

Aus erster Hand konnten sie über die Bedeutung und die Wege wissenschaftlicher Veröffentlichungen berichten, und sie gaben den Doktoranden Einblicke in die Arbeit eines Editorial Office – und somit hilfreiche Tipps, beispielsweise zu korrekten Zitierweisen und zur Vermeidung von Plagiaten.

Premiere 2012

Die Ausschreibungsphase für die erste Generation des Beilstein Stipendienprogramms endete im März 2012: Auf die Prüfung der formalen Kriterien folgten die Bewertung der Promotionsvorhaben durch externe Gutachter und nach deren positiver Beurteilung die persönliche Präsentation der Bewerber und ihrer anstehenden Forschungsaufgaben im Beilstein-Institut.

Im Anschluss an diese zweite Hürde konnten 15 Bewerber mit breiten und spannenden Forschungsvorhaben in das Stipendienprogramm aufgenommen werden: Unter ihren Projekten sind Arbeiten, die sich mit der Entwicklung kostengünstiger Farbstoff-Solarzellen, mit der Umsetzung des Treibhausgases Kohlendioxid durch Sonnenlicht, mit der Herstellung von Halbleiterdrähten von wenigen Nanometern Dicke oder der Erforschung von Arzneiwirkstoffen befassen.